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Warum geiz nicht geil ist und wie wir unsere Welt gestaltenIn unserer abendländischen Tradition wie auch in anderen Kulturen gilt geiz als Laster, vor dem der Mensch sich hüten sollte. Geiz ist geil hält heutige Werbung dagegen. Sie möchte uns zum Kauf verführen, und uns endlosen Lustgewinn suggerieren. Die Angebote sind unübertroffen günstig, will man uns zu verstehen geben, bei uns könnt ihr euch alle Wünsche erfüllen. Der kluge Käufer sieht sich die Preise genau an und kauft da, wo es am billigsten ist; denn ich bin ja nicht blöd, um einen weiteren Werbespruch zu zitieren. Wir sind stolz auf unseren Geschäftssinn. Wir ahnen vielleicht, dass man uns für dumm verkauft. Doch es stört uns nicht, solange wir von niedrigen Preisen zu profitieren meinen. Dann, beim gemeinsamen Fernsehabend oder beim Zusammensitzen mit Freunden, fangen wir an, uns über die schlechte Welt aufzuregen: "Die armen Hungernden in Afrika.", aber wir kaufen unfaire Produkte und leben von der Massentierhaltung (es gibt da einen Zusammenhang!). Zur Weihnachtszeit spenden wir dann für ein Patenkind. Das Gewissen ist beruhigt. "Die bösen Konzerne... denken nur an Profit", aber wir kaufen Produkte von global operierenden Konzernen, die hegemonistische Ziele verfolgen. "Oh, die armen Arbeiter auf der Rosenplantage in Südafrika. Wegen der hohen Pestizidmenge leiden sie an Asthma und ihre Hände ätzen weg, weil keine Arbeitsschutzbestimmungen sie schützen", aber bei den Discountern gibt es 10 Rosen für nur 1,99?. Sehr dekorativ auch. Ein Drittel aller Schnittblumen werden in Deutschland inzwischen bei Discountern verkauft. 420 Millionen Umsatz im Jahr für die Ladenketten - nur mit Blumen. "Oh,die armen Hühner, Schweine und Rinder. Was für ein Elend, wenn die Bilder wieder um die Welt gehen", aber wir kaufen Frischfleisch im Supermarkt. Lecker! "Unsere Umwelt. Ist doch alles komisch mit den Wetterwechseln, Überschwemmungen etc. Und erst die Vorraussagen der Wissenschaftler.. Nein wie schrecklich", aber wir fliegen mit Billigfliegern durch die Welt. Außerdem wollen 80% der Deutschen keine Gentechnik in der Nahrung. Aber fast alle kaufen sie täglich und verhelfen den korrupten Machenschaften der großen Konzerne zum Erfolg. Über die steigende Zahl der Allergien wundert man sich nur kurz. Verlangt Klugheit nicht mehr? Erfordert sie nicht Umsicht und Weitsicht? Wer nur auf den Preis schaut, verlernt es, den Wert einer Ware, die Qualität einer Arbeit einzuschätzen. Er vergisst, das hinter den Produkten Menschen stehen, die uns zwar meistens unbekannt bleiben, die aber wie wir auch Bedürfnisse und Rechte haben. Er verliert auch die Umwelt und ihre Schutzwürdigkeit aus dem Blick. Wenn Ware unter Wert verkauft wird, dann ist etwas faul: Entweder ist solche Ware minderwertig oder sie wurde nicht redlich erworben. Sei es nun, dass dem Plantagenarbeiter oder der Fabrikarbeiterin im Süden oder auch der Verkäuferin bei uns ein gerechter Lohn vorenthalten oder der notwendige Schutz von Gesundheit und Umwelt bei der Produktion missachtet wurde. Rabatte sind keine Geschenke von Discountern und Konzernen!!! Die verzichten weder auf Profit noch beachten sie, ob wir wertvolle Ware erhalten, wir die Gentechnik wollen oder nicht, noch ob ein Arbeiter dafür angemessenen Lohn erhält oder nicht. Der größte deutsche Lebensmittelkonzern hat erst kürzlich ein 250-Gramm-Päckchen Butter für 50 Cent verkauft. Dafür kann weltweit keine Milch erzeugt werden. Selbst der derzeitige Milchpreis von 28-30 Cent pro Liter ist für die Bauern noch nicht einmal kostendeckend. Zu kurz kommen also immer andere oder wir selbst! Wir können die Verantwortung für das Unrecht, das geschieht, nicht allein auf andere schieben. Natürlich zahlen nicht wir die Hungerlöhne und beuten die Natur aus, noch haben wir die Regeln für den Handel festgelegt. Wir kaufen nur zu den angebotenen Preis Waren, die andere haben produzieren lassen. Indem wir aber von dem Unrecht profitieren, nehmen wir es billigend in Kauf. Indem wir Genprodukte kaufen, schaffen wir den Profit der Konzerne und unterstützen ihre Machenschaften, obwohl es eigentlich nicht unser Wille ist. Wir haben Einfluss. Wir gestalten unsere Welt.Wir haben als Verbraucher haben mehr Macht und Verantwortung, als wir uns eingestehen wollen. Fairer Handel und Bioläden bieten ein reichhaltiges Sortiment an hochwertigen Produkten. Siegel geben uns Orientierung. Solange für uns immer nur das Billigste in Betracht kommt, fördern wir, ob wir es wollen oder nicht, einen mörderischen Wettbewerb, durch den nur wenige Reiche immer mehr Reichtum anhäufen, während Millionen von Armen vorenthalten wird, was sie zum Leben brauchen. In weniger als einem Jahrzehnt hat sich das Weltsozialprodukt verdoppelt und das Welthandelsvolumen verdreifacht. Zum ersten Mal in der Geschichte genießt die Menschheit einen Überfluss an Gütern. Der Planet bricht schier unter seinen Schätzen zusammen. Aber die Zerstörung von Millionen Menschen durch Hunger vollzieht sich täglich in einer Art eisiger Normalität - und das auf einem Planeten, der vor Reichtum überquillt. In dem Stadium, das die Erde durch ihre landwirtschaftlichen Produktionsmittel erreicht hat, könnte sie 12 Milliarden Menschen normal ernähren und für jeden 2700 Kalorien täglich bereitstellen. Doch wir sind heute nur 6,6 Milliarden Menschen und trotzdem leiden 852 Millionen von ihnen an chronischer Krankheit und Unterernährung. Das ist etwa jeder achte Mensch auf der Erde. Das Recht über Leben und Tod dieser Milliarden von Menschen üben die Herren des globalisierten Kapitals aus (Vgl. Jean Ziegler, Die neuen Herrscher der Welt, Goldmann Verlag). Wir müssen uns die Folgen unseres Handelns vor Augen führen, denn unser Einfluss ist größer, als wir glauben wollen. Nicht zuletzt gibt uns das Gefühl, das wir die Welt im positiven Sinne mitgestalten, einen tieferen Lebenssinn. Es fühlt sich gut an, Gutes zu tun. Das ist wahrer Profit. Wie die Ursache, so die Wirkung. Wie die Saat, so die Frucht. Wie die Handlung, so das Resultat. |